Von Sonja Flick  Quelle: AZ 02.05.2018         

HOCHWASSERSCHUTZ Daxweiler Bürger und Experten eines Mainzer Büros diskutieren Probleme

DAXWEILER - Wasser sucht sich seinen Weg. Wenn es dann noch bergab fließen kann, nach Möglichkeit ungebremst, und ein Großteil erst in den Kellern Daxweilers Halt macht, dann sind die Bewohner des sonst so idyllischen Ortes wenig begeistert. Doch was kann getan werden gegen die immer öfter eintretenden Unwetter, wo genau sind die Schwachstellen, die das Wasser direkt ins Dorf führen?

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, versammelten sich Bürger Daxweilers gemeinsam mit Diplom-Ingenieur Kurt Knittel vom Mainzer Planungsbüro Francke und Knittel im Haus der Gemeinde. Zwei Pläne vom Dorf hingen an der Wand, auf denen sich Knittel genau zeigen ließ, wo sich die Problemzonen befinden. „Ich hoffe, zu erfahren, wo der Schuh drückt“, sagte der Ingenieur und bat die Anwesenden, ihm zu schildern, wie und wo das Wasser fließt. Jedes Fleckchen in und um Daxweiler wurde unter die Lupe genommen und auf den Plänen gekennzeichnet. Mögliche Lösungsvorschläge hatten die Anwohner bereits parat, stets mit der Maßgabe, dass die großen Wassermassen sich vom Dorf möglichst fernhalten sollten.

Die normalen Regenfälle, die von der Kanalisation abgefangen werden können, stünden vorerst nicht zur Diskussion, meinte Knittel. Die Starkregen-Ereignisse seien es, über die man reden müsse. Womit das Allround-Helferlein „Regenrückhaltebecken“ schon mal wenig als Lösung diene, merkte Knittel an. Bei Normalregen sei das okay, bei Starkregen hätte es dieselbe Wirkung wie gar kein Becken. Doch auch bei mittleren Ereignissen mache es bereits Sinn, wenn man das Wasser nicht nur an eine Stelle führe, sondern zum Beispiel zum Versickern in den Wald ableite. „Es sollte so viel versickern wie möglich – aber sobald Starkregen kommt, ist das hinfällig“, sprach Knittel.

Als eine weitere Schwierigkeit nannten einige Anwohner die schnelle Fließgeschwindigkeit. Rohre seien zwar da, aber die brächten nichts, „das Wasser fließt über die Gräben hinweg“, berichteten die Anwohner. So sei es beim letzten großen Unwetter einfach übers Feld gelaufen – direkt in den Ort. Die Wege oberhalb des Wochenendgebietes „Im Weißenrech“ fungierten als Kanäle, die eigentlichen Kanäle standen mit Wasser voll. Im Wochenendgebiet selbst habe sich das Wasser den Weg durch einige Gärten gesucht. Gräben, Rohre und Gitter, die das Wasser abfangen und es theoretisch ablaufen lassen sollten, seien zu.

„Die Gummikörbe im Wochenendgebiet sind immer voll Sand und Kies – das Wasser läuft nicht mehr richtig ab. Alles, was an Wasser kommt, fließt über die Brücke“, berichtete Ortsbürgermeister Horst Rienecker. Der Ortschef wies auch noch mal auf die Sorgen mit dem Kanal in der Stromberger Straße hin. „Sogar bei wenig Regen haben wir da immer wieder Probleme.“ Doch leider untersage der LBM, was zu tun, solange die Autobahn noch gemacht würde. Apropos Autobahn – ein weiterer Vorschlag war das Ableiten des Wassers auf die Autobahn. Dies gäbe keine Langzeitschäden, „das Wasser muss nur dorthin geleitet werden“, schlug ein Daxweilerer vor.

Eine Anwohnerin erinnerte daran, dass alles, was zum Thema Hochwasserschutz in Angriff genommen würde, auch stets nachgebessert werden müsse. Knittel nickte: Sieben Jahre, dann sei das Hochwasser meist vergessen, und erst bei der nächsten Katastrophe käme die Erinnerung bei den Menschen zurück. Besonders wichtig, betonte der Ingenieur, sei also, ein Bewusstsein bei jedem Einzelnen zu schaffen. „Bin ich sicher und was muss ich tun, um sicher zu sein?“ – ein wichtiger Aspekt des Wasserschutzgesetzes. Die überlasteten Kanäle wird der Diplom-Ingenieur unter anderem in seine Pläne mit aufnehmen, „flusslange“ Straßen notierte er sich ebenfalls. Nun heißt es für die Daxweilerer abwarten und hoffen, dass eine Möglichkeit gefunden wird, die ihre Keller in Zukunft möglichst trocken bleiben lässt.